Geschichte

Das Bochumer Krimi Archiv

Am Anfang war der Mord, und wie bei jedem Mord stellte sich sofort danach die Frage nach dem Täter. Am Anfang waren die Gründer Bochumer Krimi-Archivs einfache Krimi-Freunde, deren Regalbretter sich unter der Last von hunderten von Büchern bogen, in denen es um nichts anderes als Mord und Totschlag ging. Der Journalist Reinhard Jahn und der Werbetexter Werner Puchalla waren Anfang der 80er Jahre mehr oder weniger fest bei einem Bochumer Stadtmagazin beschäftigt, als sie entdeckten, dass sie beide dieselbe unselige Neigung zur Kriminalliteratur hatten. Der Krimi war zu dieser Zeit hierzulande gerade dabei, sich aus der Gosse der Trivialliteratur zu erheben, in die er im Nachkriegsdeutschland viel zu schnell gekehrt worden war. Gerade erst hatte der später so genannte „Sozio-Krimi“ seine Blütezeit erlebt und langsam setzte sich beim lesenden Publikum und der Kritik das Bewusstsein durch, dass „Krimi“ mehr war als nur Edgar Wallace oder Agatha Christie.

Das war eine Entwicklung, die Unterstützung verdiente – und so wurde am 26. März 1984 das Bochumer Krimi Archiv gegründet – exakt am 25. Todestag von Raymond Chandler, dem Klassiker der amerikanischen Kriminalliteratur. Die frisch erblühende deutsche Krimi-Szene sollte mit Informationen unterstützt werden, Krimi-Events waren geplant und den hartgesottenen Fans sollte das gesammelte Wissen des Krimi-Archivs zur Verfügung gestellt werden.

Als deutliche Duftmarke für das neue Selbstbewusstsein des Krimis wurde gleich ein Jahr nach der Gründung des Bochumer Krimi Archivs der Deutsche Krimi Preis ins Leben gerufen. Eine Jury von Krimikritikern, Literaturwissenschaftlern, die sich mit dem Genre befassen, sowie später aus zahlreichen ausgewählten Krimibuchhändlern entscheidet seither jeweils im Januar über die besten deutschsprachigen und internationalen Kriminalromane des abgelaufenen Jahres.

Bei seiner Gründung war der Deutsche Krimi Preis der einzige Kritikerpreis des Genres, heute ist er der älteste (und – Eigenlob muss sein – der renommierteste). Das Krimi Archiv organisiert jeweils die Juryabstimmung und übernimmt die Bekanntgabe der Preisträger. Der Deutsche Krimi Preis ist nicht mit einer Geldsumme dotiert, wenn gelegentlich Gelder von Sponsoren zur Verfügung standen, wurden den Preisträger personalisierte Grafik-Unikate als Urkunden für ihre Taten verliehen.

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Urkunde: Winfried Lux
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Urkunde: ZERO

 

Dass mit dem Namen „Bochumer Krimi-Archiv“ zugleich eine fatale Abkürzungsgleichheit mit dem BKA in Wiesbaden entstanden war, begriffen die Gründer erst, als es schon zu spät war. Sie selbst haben das Krimi-Archiv nie als BKA bezeichnet, aber sie konnten sich natürlich nicht dagegen wehren, dass dies in der Presse oft so geschah. Zu allem Unglück fiel dann noch jemandem auf, dass die Abkürzung für den Deutschen Krimi Preis einfach DKP war, was immer wieder bei Preisverleihungen zu den Schlagzeilen „BKA verleiht DKP“ führte.

Als das Bochumer Krimi Archiv gegründet wurde, trug es seinen Namen noch zurecht, weil einer der Gründer in Bochum lebte. Und auch als in den nächsten Jahren durch verschiedene Umzüge der Beteiligten in Städte wie Berlin oder Essen ins Spiel kamen, war der Name immer noch einigermaßen berechtigt, weil zumindest immer einer der Drahtzieher seinen Wohnsitz in Bochum hatte. Erst Ende der achtziger Jahre verlagerte sich das Krimi-Archiv nach Herne und teilweise nach Essen – aber dem Namen nach blieb es das „Bochumer Krimi Archiv“. Nicht zuletzt deshalb, weil nach einer langjährigen Phase der Irritation seitens des Presseamtes des Stadt Bochum, der Staatsanwaltschaft Bochum und der Polizei Bochum inzwischen alle erwähnten Einrichtungen wussten, an wen sie neugierige Anfrager und Anrufer in Sachen „Bochumer Krimi Archiv“ weiterverweisen mussten.