Archiv für den Monat: Dezember 2025

42. Deutscher Krimipreis 2025

National

Deutscher Krimipreis 2025 - Kategorie "National"

1. Platz: Andreas Pflüger: Kälter (Suhrkamp)

Im Herbst 1989 führt Luzy Morgenroth auf Amrum das Leben einer Provinzpolizistin. Kaum jemand ahnt, dass sie vor langer Zeit eine Andere war. Als in einer Sturmnacht ein Einheimischer spurlos von der Fähre verschwindet, muss sie sich einem Killerkommando stellen, das auf die Insel kam, und verwandelt sich wieder in die Luzy von früher. Eine Waffe.

„Andreas Pflüger ist der amtierende Großmeister einer aussterbenden Literaturgattung – des Thrillers. Das gilt, selten genug für einen deutschen Autor, auch international. Solch getrimmte, wie Diamant geschliffene Thriller schreibt heutzutage (fast) niemand mehr.“
Alf Mayer, CulturMag

2. Platz: Zoran Drvenkar: Asa (Suhrkamp)

Sechs Jahre war Asa gefangen. Ihre Feinde konnten sich sicher fühlen, beruhigt schlafen, doch jetzt kommt sie zurück und sie hat einen Plan: Asa macht sich auf den Weg, um eine Tradition zu zerstören, die das Leben einer Gemeinschaft seit hundert Jahren beherrscht und zum Tod unzähliger Unschuldiger geführt hat. Bei ihrem Kampf findet Asa loyale Verbündete, erfährt niederträchtigen Verrat, trifft auf mächtige Gegner und stellt sich schließlich ihrem größten Feind – ihrer eigenen Familie.

„Zoran Drvenkar ist ein herausragender Thrillerautor. Asa ist unfassbar gut gemacht, toll dramatisiert, großartig inszeniert, absolut herausragend, wie dieser Roman gearbeitet ist. Man kommt beim Lesen aus dem Staunen nicht mehr heraus.“
Ulrich Noller, WDR

3. Platz: Susanne Tägder: Die Farbe des Schattens (Tropen)

Mecklenburg, 1992. Das neue Jahr hat gerade erst begonnen, da erreicht Hauptkommissar Arno Groth ein Notruf: Im Mönkebergviertel, einer Plattenbausiedlung, verschwindet der elfjährige Matti Beck auf dem kurzen Weg zum Einkaufen spurlos. Was als Suchaktion beginnt, weitet sich schnell aus und gerät für Hauptkommissar Groth zur größten Herausforderung seines bisherigen Berufslebens.

„Mit ‚Wechtershagen‘ (das nicht sehr vom realen Neubrandenburg unterschieden ist), der unmittelbaren Nachwende-Zeit und dem aus Wechtershagen stammenden, aber in Hamburgprofessionell sozialisierten Kommissar Arno Groth hat Susanne Tägder ein Setting geschaffen, das fasziniert. […] mit Die Farbe des Schattens reiht sie sich endgültig in die Riege der bedächtigen, genau die sozialen und emotionalen Schattierungen eines Kriminalfalls beobachtenden Autoren wie Mathijs Deen und Matthias Wittekindt ein.“
Tobias Gohlis, CulturMag


International

Deutscher Krimipreis, Kategorie "International"

1. Platz: Lavie Tidhar: Adama (Suhrkamp), deutsch von Conny Lösch

1946 beginnt die junge Ruth, sich in Palästina ein neues Leben aufzubauen, getrieben von jugendlichen Idealen in einem Land, das ihr feindlich gesinnt ist. Sie ist eine ungarische Zionistin, die den Nazis in Budapest entkommen konnte. Ruth wird das Herz des Kibbuz Trashim, und für sie ist der Kibbuz heilig, heilige Erde, also ‚Adama‘, seine Existenz ist ihre Lebensaufgabe. Wenn dafür knallharte Entscheidungen nötig sind, dann wird sie sie treffen, inklusive Gewalt und Mord.

„Lavie Tidhar erzählt von Menschen, die gehärtet wurden in der Geschichte des Landes, das heute Israel heißt. Nicht alle haben ihre Ideale verloren, doch sie fühlen sich im Recht, ihr ‚altes Land‘, Palästina, zurückzuholen. Mit Gewalt. Und er erzählt von den Nachkommen jener ersten Siedler und Siedlerinnen, die von einem anderen Land träumen, einem, das sie nicht permanent verteidigen müssen.“
Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau

2. Platz: Liz Moore: Der Gott des Waldes (C.H. Beck), deutsch von Cornelius Hartz

Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird. Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin.

„Liz Moore dosiert die Informationen klug, wählt die Blickwinkel mit Bedacht. Ihr Roman steckt voller feinfühliger Beobachtungen über die Schwierigkeiten und Verletzlichkeiten des Heranwachsens, die vielen Grenzen zwischen sozialen Schichten, das Leben als Mädchen und Frau in diesen Jahren.“ „Ein vielschichtiger, unterhaltsamer Spannungsroman über Machtmissbrauch und gesellschaftliche Dynamiken.“
Sonja Hartl, SWR

3. Platz: Gustavo Faverón Patriau: Unten leben (Droschl), deutsch von Manfred Gmeiner

George Bennett ist Filmemacher – und Mörder. Er tötet Menschen vor laufender Kamera, während er Anfang der Neunzigerjahre in Paraguay, Bolivien, Chile und Peru auf den Spuren seines Vaters unterwegs ist, einem sadistischen CIA-Agenten, der als Folterknecht für südamerikanische Diktatoren gearbeitet hat. Und das ist erst der Anfang dieses monströsen Romans.

„Patriau (…) baut aus verschachtelten Erzählebenen und historisch verbürgten Verbrechen ein ganzes Labyrinth aus Grausamkeit und Wahnsinn. Ein postmoderner Albtraum und ein überwältigender Versuch, die Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts literarisch zu analysieren.“
Thomas Wörtche, Deutschlandfunk Kultur